BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

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Joyrider
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BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

Beitragvon Joyrider » 15.05.2018, 08:10

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat heute, am 15.05.2018, Dashcam-Videos als Beweismittel zugelassen.
AZ: VI ZR 233/17

Die Begründung klingt plausibel: Da bei einem Unfall sowieso die Namen und Versicherungsdaten ausgetauscht werden müssen, ist der Datenschutz an dieser Stelle nachrangig.

In meinen Augen hat hier ein Richter mit Augenmaß entschieden und vernünftig geurteilt.

Wichtig dabei: Es geht hier nur um Videoaufnahmen als Beweismittel. Das Veröffentlichen ist auch weiterhin verboten!

Wie steht ihr denn zu dem Thema?

Ich persönlich sehe die Dashcams grenzwertig, auch wenn ich selbst eine im Auto habe und diese bei "Gefahr" einschalte. Gefahr heisst in meinem Fall wenn ich z.B. sehe das jemand hinter mir schon längere Zeit drängelt oder der Vordermann sehr aggressiv verhält und ich befürchte trotz sehr hohem Abstand ausgebremst oder anderswie angegangen zu werden (alles schon erlebt). Was auch vorkam, leider spontan: Langsames fahren mit ca. 40 auf der Landstraße, beim Überholversuch meinerseits wollte er mich dann abdrängen, bzw. rammen. Hier war die Kamera aus und hätte im Falle eines Unfalls sicherlich sehr geholfen.

Künftig werde ich das Ding wohl dauerhaft laufen lassen, da die Kamera altes Bildmaterial (älter als 2-3 Minuten) automatisch überschreibt. Die Aggressivität im Straßenverkehr (durchweg durch alle Verkehrsteilnehmer (Autos, LKW, Motorräder, Radfahrer, Fußgänger, und und und)) hat leider enorm zugenommen, was sehr schade ist. Vorfahrt nehmen, abbiegen ohne blinken, Spurwechsel ohne sich umzusehen oder zu blinken, rechts überholen, durchgezogene Linien oder Überholverbote ignorieren... all das erlebe ich hier teilweise fast täglich, was sehr schade ist.

Aus eigener Erfahrung noch dazu 3 Fälle, wo mir die Kamera sicherlich geholfen hätte:
1.) Aus dem Gegenverkehr heraus versucht ein Autofahrer einen LKW zu überholen und fährt mir den Spiegel ab. Trotz unabhängiger Zeugen und einem anfänglichen Eingeständnis des Gegners bleibe ich auf dem Schaden sitzen, da er später alles abstreitet.
2.) Landstraße, lange gerade Strecke. Ein Auto überholt trotzdem einen LKW und ich muss in den Graben ausweiche. Hoher Schaden am Auto, das überholte Auto samt Insassen verpisst sich (Fahrerflucht) und kann nicht ermittelt werden.
3.) Junger Mann im Auto mit Handy am Ohr, schneidet die Kurve, bumm. Beide bekommen Schuld, da das Handytelefonat angeblich nicht nachzuweisen ist.

Zusammengefasst: Als Beweismittel finde ich die Dashcam-Videos eine gute Sache, vor allem weil damit ALLE Beteiligten belastet werden können - nämlich im Zweifel auch ich selbst, falls ich durch meine Fahrweise einen Unfall verursacht habe.

Und erneut der Hinweis: Jegliche Veröffentlichungen von solchem Videomaterial sind verboten und ein Verstoß gegen den Datenschutz.
Rücksichtnahme, Höflichkeit, Erziehung, gute Manieren, Benimmregeln und Anstand.

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Re: BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

Beitragvon schmidtsmikey » 25.05.2018, 10:29

Naja, ich habe zu oft die Erfahrung gemacht, dass bei Verkehrsunfällen immer versucht wird, zu betrügen. Am Ende hat man immer Stress. Letztes Jahr standen wir an einer Ampel, jemand fuhr uns auf, derjenige nahm die Schuld auf sich und Tage später kommt das Schreiben von der Versicherung, wir wären plötzlich Schuld am Unfall (zu stark gebremst).

Bei einem Auffahrunfall und (glücklicherweise) mit Zeugin ist die Sachlage eindeutig. Aber hätten wir keine Zeugin gehabt, sähe es anders aus.

Ich bin absolut für solche Dachcams.

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Re: BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

Beitragvon Joyrider » 26.05.2018, 09:59

schmidtsmikey hat geschrieben:Bei einem Auffahrunfall und (glücklicherweise) mit Zeugin ist die Sachlage eindeutig. Aber hätten wir keine Zeugin gehabt, sähe es anders aus.

Vor Gericht ja, bei den Versicherungen werden die aber auch einfach mal abgelehnt. Und dann darf man auch klagen.

Ich hatte gestern wieder DREI Fälle, wo es fast geknallt hat. Einfach losfahren ohne gucken, dreimal ne Vollbremsung und dann noch von den anderen Fahrern angemacht werden. Im heftigsten Fall ist er sogar bald noch wem anderes reingefahren, auch hier hat es dank Vollbremsung gepasst.

Derzeit habe ich ne Dashcam mit 2GB microSD, da wird ständig überschrieben und somit nichts unnötig gespeichert. Aus Sicherheitsgründen bekommt die Kamera demnächst noch ne 1GB Speicherkarte, das sollte dann mit der Speicherdauer so gering wie möglich sein, so dass es rechtlich zu 100% sicher sein dürfte.


Ich hoffe nur das sich die ganze Sache von alleine wieder einpendelt, ein bischen mehr Rücksicht von jedem Einzelnen und schon ist eine ganze Menge gewonnen. Dieses ganze "Ich ich ich" und ständig die Aggressionen, das hilft doch keinem. Unnötiger Stress für sich und andere und geholfen ist damit niemandem. :(



Aber auch hier gilt: Hochladen ist tabu. Auch wenn es teilweise so schön wäre, den ganzen Leuten mal den Spiegel vorzuhalten, wie sehr sie sich und andere gefährden (grad beim Thema Rettungsgasse und den Geisterfahrten auf der Autobahn (vor allem wenn Stau ist, ist das ja mittlerweile groß in Mode). Das Einzige was hier noch hilft sind wirklich hohe Strafen, die jedem weh tun. Mindestsätze oder ans Einkommen gekoppelt, der höhere Wert zählt.
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Re: BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

Beitragvon Andy_20 » 26.05.2018, 12:10

Die Strafen treffen auch meistens die kleinen, die großen können sich auch mal eben aus einem Fahrverbot rauskaufen und haben damit eigentlich nix zu befürchten.
Aber wenn ich zum Beispiel den Verkehr in Hamburg sehe (wo ich vor 1Monat war) und dann noch die Straßenführung, wundert es mich nicht das da Menschen aggressiv werden und das sie dort jetzt Dieselfahrverbote brauchen.
MfG Andy
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Re: BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

Beitragvon Joyrider » 26.05.2018, 17:10

Ich bin für z.B. mindestens 20.000 Euro bei keiner Rettungsgasse, alternativ ein Jahresgehalt. Im Wiederholungsfall verdoppeln.
Zu schnell fahren bis 20km/h: Mindestens 200 Euro, oder 1 Monatsgehalt. Bei Wiederholung 1 Punkt und Strafe verdoppeln.
Rote Ampeln überfahren: Mindestens 500 Euro oder 1 Monatsgehalt. Bei Wiederholung auch verdoppeln. Ohne die 1 Sekunden Regel.

Anders lernen es die Leute doch nicht mehr. Fahrverbote ohne Möglichkeit sich freizukaufen oder Geldstrafen die jedem weh tun. Nur leider wird das in Deutschland nie kommen, dafür wird die Autolobby schon sorgen.
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Re: BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

Beitragvon schmidtsmikey » 05.07.2018, 05:21

Der Verkehr in Hamburg ist schon extrem. Man merkt, dass die in einer Großstadt einfach nur gestresst sind. Es ist zum Beispiel normal, 50 Meter vor einer roten Ampel zu beschleunigen anstatt einfach ausrollen zu lassen. Bei letzterem wird man sogar noch angehupt.

Sind denn Dashcams grundsätzlich anerkannt, wenn es mag darauf ankommt?

Und ja: ich bin auch für hohe strafen. Es muss finanziell richtig weh tun! Ist wie bei kleinen Kindern: man reizt immer die grenzen aus und wenn die Strafen nicht entsprechend sind, tanzen sie dir auf dem Kopf herum.

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Re: BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

Beitragvon Joyrider » 06.07.2018, 20:23

Ich hoffe es kommt bei mir zu keinem Unfall.

Die Aggressivität derzeit ist enorm, das finde ich sehr schade. Vor allem ist es sinnlos. Ich fahre meist (bei 2 Spuren) auf der rechten Spur mit 90 nach Tempomat, links sind alle am Drängeln, aber irgendwie kommen die genauso schnell oder langsam vorwärts wie ich, nur eben mit erheblich mehr Stress.

Das mit den roten Ampeln kenne ich, ich habe grün und fahre los, von rechts kommen immer noch munter Autos angefahren, obwohl die Ampel seit mindestens 10 Sekunden rot zeigt.

Aktuell auch groß in Mode: Die LKW-Mautsäulen. Keine Blitzer, daher auch in keiner Blitzer-App. Verleitet viele Autofahrer trotzdem zu Vollbremsungen, so dass es auch hier verhältnismäßig oft knallt.


Von daher mein Tip: Künftige Autos mit Tempomat kaufen, den auf eine normale Geschwindigkeit einstellen und durch da. :) Ja, 80km/h hinter nem LKW können nerven. Nur ist es (zumindest mir) mit nem Tempomaten an sch****egal, weil es erheblich weniger stört, da der Drang nach mehr Gas geben durch den Tempomaten komplett entfällt.
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Re: BGH erlaubt Dashcams im Auto bei Unfällen

Beitragvon schmidtsmikey » 10.08.2018, 06:18

Tempomat + "Hinter LKW fahren" = Vorgänger des autonomen Fahrens :crazy:


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